29.09.2009
Nun doch: „Der Müll, die Stadt und der Tod“ auf deutscher Bühne

Das Theater an der Ruhr führt das zum Skandalon erklärte Stück erstmals öffentlich auf

Über kein anderes Fassbinder-Stück ist seit der Entstehungszeit so viel Kontroverses geschrieben worden und derart heftig debattiert worden, wie das bei Der Müll, die Stadt und der Tod der Fall ist. Dem erneuten Versuch einer deutschen Uraufführung am 01. Oktober im Mülheimer Theater an der Ruhr ist zuletzt eine Matinee mit offenen Proben und Gesprächen mit der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen vorausgegangen, die sich wie ihre Dachorganisation, der Zentralrat der Juden, gegen eine Aufführung ausgesprochen hatte.
 
Auszüge aus der dpa-Meldung vom 08.09.2009 zur anstehenden Inszenierung:
 
„[...] Die Premiere sei bereits am 1. Oktober geplant, sagte der Theaterleiter Roberto Ciulli am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Ciulli, der auch die Regie führt, will das Stück über einen Frankfurter jüdischen Häuserspekulanten einbetten in einen Abend mit drei Werken von Rainer Werner Fassbinder. Zunächst werde Nur eine Scheibe Brot aufgeführt, dann Der Müll, die Stadt und der Tod und zum Abschluss Blut am Hals der Katze, sagte Ciulli.

Die geplante Uraufführung des 1975 entstandenen Skandalstücks scheiterte 1985 an erbitterten Protesten von Demonstranten. Auch 1998 kam eine geplante Aufführung am Maxim-Gorki-Theater in Berlin nicht zustande. Uraufgeführt wurde das Stück in New York 1987, auch in Tel Aviv wurde es gespielt. Grund der Proteste war der Vorwurf angeblich antisemitischer Tendenzen des Stückes, wodurch auch eine Aufführung noch zu Fassbinders Lebzeiten (1945-1982) verhindert wurde. Die in Mülheim geplante Inszenierung ist demnach die erste öffentliche Aufführung des Stücks in Deutschland.

Die jüdische Gemeinde sei über das Projekt informiert, sagte Ciulli. «Es geht um eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Person Fassbinder», sagte er zum Hintergrund seines Projekts. Er wolle zeigen, welchen Einfluss Fassbinder, der vor allem als Filmregisseur bekannt sei, auf das Theater und die Theatersprache habe. [...] Das Stück Fassbinders habe darunter gelitten, dass es allein auf die Figur des jüdischen Häuserspekulanten reduziert wurde. Fassbinder kritisiere aber vielmehr die Existenz von Antisemitismus in der Bundesrepublik in den 1970er Jahren.

Der 75-jährige gebürtige Mailänder Ciulli erhielt für sein künstlerisches Schaffen und sein humanistisches Engagement zahlreiche in- und ausländische Auszeichnungen. Er gehört zu den Mitbegründern des Mülheimer Theaters an der Ruhr, das sich als Ort der multikulturellen Begegnung versteht und zu den renommiertesten Häusern in Deutschland zählt.“

Die Aufführungstermine:

FASSBINDER Nur eine Scheibe Brot | Der Müll, die Stadt und der Tod | Blut am Hals der Katze


01.10.2009 19:30 Uhr

02.10.2009 19:30 Uhr
09.10.2009 19:30 Uhr

10.10.2009 19:30 Uhr

15.10.2009 19:30 Uhr

Das Programm des Theaters an der Ruhr


Foto links: Rainer Werner Fassbinder und Ingrid Caven in SCHATTEN DER ENGEL, 1975 © RWFF
Foto rechts: Simone Thoma und Gabriella Weber, 2009 © Andreas Köhring / Theater an der Ruhr

zurück Mehr News

 

©2010 Rainer Werner Fassbinder Foundation | Impressum