20.04.2010
Werner Schroeter: Freund und Seelengefährte.

Ein Nachruf von Juliane Lorenz

Werner ist am 12. April 2010 in einer Ayurveda-Klinik in Kassel in der Abenddämmerung verstorben. Er ist von uns gegangen. Friedlich und versöhnt: Mit dem Schmerz einer schweren Krankheit, dem Verlust vieler Freunde und Gefährten und der Unerträglichkeit dessen, was schmerzen muss, wenn seine Arbeit, vor allem seine Filme, seit Jahren nicht zu sehen sind. Er ging von uns mit dem Wissen um die Begrenztheit des Lebens, der Unmöglichkeit der ewigen Liebe und Jugend und dem Wissen um seine eigenen Schwächen. Und mit all jenem, was ihn für uns weiterhin lebendig bleiben lässt: Die Erinnerungen an die Begegnungen innerhalb der Freundschaft und in der Arbeit mit und für ihn. Und dessen, was er hinterlassen hat: 45 Filme und unzählige Theater- und Operninszenierungen zwischen 1966 und 2010.
 
Für den wandernden Poeten und Europäer, der in vielen Sprachen und Orten zu Hause war, kam die mediale Präsenz in Deutschland erst durch einen Preis für sein Lebenswerk, den ihm das 61. Internationale Filmfestival in Venedig 2008 verlieh. Nicht dass Preise alles sind, Werner hatte einige, aber dieser verhalf zum künstlerischen Weiterleben. Der durch die Krankheit gemarterte Körper, der zuletzt nur noch 47 kg wog, war trotz allem nicht gebrochen. Werner sah dem kommenden Ende mit Klarheit und Offenheit entgegen. Er blieb der, der er immer war: Ein Mensch, der seine Wunden nicht leckte sondern transzendierte und dessen Lebenskraft die Arbeit und dessen Ausdruck in Schönheit und Wahrhaftigkeit das einzige Maß war. Niemals war er Anklagender, niemals kleinmütig und niemals nachtragend. Werner gab und er nahm viel. Aber niemals dem Anderen seine Würde.
 
Ich wünsche mir, dass sein Werk nicht auf ewig verschwindet. Und in Deutschland eine neue Zeit anbricht, in der "les artistes maudits" nicht erst als Leichen in der Öffentlichkeit bestaunt werden. Sondern ihre Arbeiten in der Blüte ihres Lebens, wenn auch mit Unverständnis, so doch mit Respekt, vor dem was als Botschaft enthalten sein könnte, gesehen werden. Ohne Urteil und Abschätzung, rechtzeitig gepflegt, vermittelt und erneut betrachtet. Und nicht in Kisten und Kammern versperrt und am Ende verloren sind. Bis sie einer vermeintlichen Verträglichkeit entsteigen und das was übrig blieb als Entdeckung erfahren. Er selbst drückte es so nie aus. Aber kein Künstler will vergessen werden. Auch nicht, wenn er viel dazu beitrug.
 
New York, am 13. April 2010


Zu Werner Schroeter:
Homepage Werner Schroeter
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Filmportal
Filmgalerie 451
Frankfurter Allgemeine Zeitung: Der Meister des Liebesschmerzes
Mit Werner Schroeter tritt der letzte große Unangepasste von der Bühne des deutschen Films ab, ein Kunstgläubiger und ästhetischer Extremist, wie ihn die heutigen Regiehochschulen gar nicht mehr hervorbringen könnten.


Foto links: © Werner Schroeter in WELT AM DRAHT, 1973 © RWFF
Foto rechts: © Werner Schroeter während der Dreharbeiten zu MALINA, 1990 © Lore Bermbach

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