09.06.2005
Hommage an die Schauspielerin Hanna Schygulla im MoMA New York

Vom 9. bis 30. Juni 2005 zeigt das Museum of Modern Art, seit vergangenen November zurückgekehrt in seinen Neubau nach Manhattan, einen ausgewählten Überblick auf das bislang über 30 Jahre währende künstlerische Schaffen der Schauspielerin Hanna Schygulla, die mit Fassbinder alleine 19 Arbeiten benennen kann, und nicht erst nach seinem Tod ein internationaler Star wurde. Ihre Filmkarriere begann mit "Liebe ist kälter als der Tod" 1969, der internationale Druchbruch kam mit "Die Ehe der Maria Braun", Fassbinders 26. Film, der 1978 in Cannes während einer privaten Filmvorführung zum Geheimtip wurde, und ihr 1979 auf den Internationalen Filmfestspielen in Berlin den Silbernen Bären für die weibliche Hauptrolle bescherte.

Nach der amerikanischen Uraufführung auf dem New Yorker Film Festival 1979 lief der Film 54 Wochen im New Yorker Lincoln Plaza Cinema und war somit einer der ersten großen kommerziellen Erfolge des jungen deutschen Films.

Schygullas steigender Ruhm im Ausland brachte ihr unzählige Angebote ein, unter anderem ein Angebot aus Hollywood: "Sophie´s Choice", eine Rolle, die dann Meryl Streep zum Star machte. Es folgten noch andere verlockende Angebote, aber Schygulla spielte erst mal Theater in Deutschland, u.a bei George Tabori "Mutter Courage". Filmarbeiten mit Jean-Luc Godard, Andrzej Wajda, Marco Ferreri, Ettore Scola, Marwyn Chomsky, Kenneth Branagh, Wim Wenders, Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta, Amos Gitai, Bela Tarr folgten, und der Nobelpreisträger Gabriel García Marquéz schrieb ein Drehbuch für sie, das in Mexiko realisiert wurde. Viele zeitgenössische Autoren und junge Regisseure im Ausland haben für sie Drehbücher geschrieben, aber aus Deutschland blieben Angebote aus. Eine unvergeßliche Rolle spielte sie Ende der 80ger Jahre allerdings für den Autor und Regisseur Jörg Graser in dessen Film"Abrahams Gold".

Hanna Schygulla hat viele Talente und spricht mehrere Sprachen, was ihr den Zugang in andersprachige Welten erleichtert. Seit einigen Jahren gestaltet sie eigene Gesangs-und Chansonabende, u.a. zusammen mit dem Filmkomponisten Jean-Marie Sénia, der Liedertexte von Fassbinder, Brecht und Jean-Claude Carrière vertont hat, und die Hanna Schygulla während eines Sonderprogramms in New York im MoMA erneut präsentiert.

Eine amerikanische Uraufführung wird ihr Film "Traumprotokolle" von 1978/2005 sein, den Hanna Schygulla als Abschluss der Fassbinder Retrospektive im Centre Pompidou in Paris am 4. Juni 2005 vorgestellt hat. Ein ganz besonderer 45 Minuten langer Film, autobiographisch mit eigenen Texten und Aufnahmen, die Schygulla 1978 nach einer erneuten kurzen künstlerischen Pause mit Fassbinder, vor den Dreharbeiten zu "Berlin Alexanderplatz", mit der Kamera als Spiegel und zugleich Partner, gedreht hat. Dazu wechseln die Bilder in eine magische Unterwelt, in die eine Frau, 27 Jahre älter und im Heute, den Zuschauer mit den Themen des Verlustes, des Todes und der Versöhnung empfängt.

www.moma.org/exhibitions/film_media/2005/schygulla.html#1



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