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Newsletter Dezember 2021

Auf dem Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg (IFFMH) wurde zum zweiten Mal der Rainer Werner Fassbinder Award für das beste Drehbuch verliehen. Die aus dem Regisseur Nicolas Wackerbarth, der Kuratorin Michelle Carey und der Produzentin Kathleen McInnis bestehende Jury zeichnete das Debüt des französischen Regie-Duos Julie Lecoustre und Emmanuel Marre damit aus.

In der Tragikomödie ZERO FUCKS GIVEN spielt Adèle Exarchopoulos eine Flugbegleiterin, die versucht, ihr Leben zwischen Alkoholrausch, Partys und Tinder-Dates zu meistern. Die Jury beeindruckte „der spielerische Umgang der Autoren mit dem globalen Prekariat und die Darstellung von strafenden Reaktionen auf die Offenbarung menschlicher Gefühle“.

Eine Lobende Erwähnung bei der Verleihung des RWF-Awards bekam außerdem der japanische Regisseur Kiyoshi Sugita für sein impressionistisches Drama HARUHARA-SAN’S RECORDER, das vom Alltag einer jungen Frau nach einem tragischen Ereignis erzählt. Imponiert hat der Jury dabei gerade „die Abwesenheit des geschriebenen Wortes“. Alle Preisträger des Festivals gibt es hier im Überblick: https://www.metropolnews.info/mp523547/mannheim-heidelberg-die-preistraeger-des-70-iffmh DE

Ein neuer Dokumentarfilm über Hanna Schygulla steht zur Zeit in der Arte-Mediathek. André Schäfer begleitet sie in seinem filmischen Porträt über einen Zeitraum von zwei Jahren in Paris und Berlin. „Ohne Rainer Werner Fassbinder hätte es die Schauspielerin Hanna Schygulla nie gegeben“, sagt sie einmal an ein Bild des Regisseurs gerichtet. Ganz dem französischen Untertitel des Films („Die freie Muse“) entsprechend, erzählt der Film aber auch, wie sich Schygulla von ihrem langjährigen Kooperationspartner emanzipiert hat. So sehen wir sie etwa beim Dreh eines Kurzfilms mit syrischen Jugendlichen oder erfahren von ihrer Rolle in François Ozons neuem Film ALLES IST GUT GEGANGEN. Die Dokumentation kann man sich hier ansehen:
https://www.arte.tv/de/videos/095786-000-A/hanna-schygulla/ DE
https://www.arte.tv/fr/videos/095786-000-A/hanna-schygulla-une-egerie-libre/ FR

Im Schweizer Kampa Verlag ist gerade das Buch „Chaos? Hinhören, singen“ erschienen, in dem Ingrid Caven aus ihrem bewegten Leben erzählt. Im Gespräch mit der Journalistin Ute Cohen plaudert „die letzte deutsche Diva“ unter anderem über die „wilden Siebziger, über Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll […], Kunst und Politik, MeToo, Populismus und das Altern“. Irene Bazinger von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war davon sehr angetan und stellt fest, dass Caven in dem Buch „reichlich Gelegenheit hat, all ihren Charme, ihren Humor und ihre Intelligenz unter Beweis zu stellen.“ Auf der Seite des Verlags erfährt man mehr über die Publikation.
https://kampaverlag.ch/ingrid-caven-chaos-hinhoeren-singen/ DE

Als weihnachtlichen Geschenktipp möchten wir unseren Lesern den im Hatje Cantz Verlag erschienenen Katalog zur Bonner Ausstellung „Methode Fassbinder: Eine Retrospektive“ empfehlen. Der reich bebilderte Band über Leben und Werk von RWF enthält unter anderem Texte von Karlheinz Braun, Elisabeth Bronfen, Udo Kier, Juliane Maria Lorenz-Wehling, Verena Lueken, Wolfram Schütte, Michael Töteberg und Wim Wenders. Das Buch kann man zum Beispiel hier erwerben: https://www.hatjecantz.de/methode-rainer-werner-fassbinder-8037-0.html DE

Als Vorgeschmack gibt es Hans Helmut Prinzlers sehr lesenswerten Beitrag „Der Neue Deutsche Film und Rainer Werner Fassbinder“ kostenlos auf der Website des Autors: https://www.hhprinzler.de/2021/09/der-neue-deutsche-film-und-rainer-werner-fassbinder/ DE

Laut Christian Muggenthaler von nachtkritik.de lohnt es sich gerade, ins Stadttheater Ingolstadt zu gehen. Mareike Mikat hat dort Fassbinders Film LOLA (1981) für die Bühne adaptiert. Den Abschluss von RWFs BRD-Trilogie setzt sie in eine ebenso „vergnügt-vergnügliche“ wie auch „eindringliche“ Inszenierung um, die von Menschen handelt, „die sich der Mechanik von Warenwelt und Wertschöpfung unterworfen haben“. (Den gesamten Text gibt es hier: https://bit.ly/3y3Z5Er DE ) Tickets für die kommenden Vorführungen im Dezember und Januar sind auf der Website des Stadttheaters erhältlich: https://theater.ingolstadt.de/spielplan/premieren-wa/hauptproduktionen/lola/ DE

Eine traurige Nachricht ereilte uns am 26. November: Der Schauspieler, Fotograf, Regisseur und Restaurantbesitzer Roger Fritz ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Eckhart Schmidt stieß für seinen Debütfilm JET GENERATION (1968) nach langer, erfolgloser Suche nach einem Hauptdarsteller auf ihn. Seine Voraussetzungen: „attraktives Aussehen, natürliche Vitalität, internationaler Typ“. Später stand Fritz auch für Sam Peckinpah, Rudolf Thome, Marran Gossov sowie in vier späteren Filmen Fassbinders vor der Kamera. Weniger bekannt, aber ebenso sehenswert sind Fritz’ eigene, stärker am Genrekino ausgerichtete Regiearbeiten, von denen MÄDCHEN (1966), MÄDCHEN: MIT GEWALT (1970) und FRANKFURT KAISERSTRASSE (1981) auch auf DVD verfügbar sind.

Gratulieren möchten wir Franco Nero, der am 23. November seinen 80. Geburtstag feierte. Die vielleicht bekannteste Rolle in seiner aus allen Nähten platzenden Filmografie ist die des wortkargen Django in Sergio Corbuccis gleichnamigem Italowestern. In Fassbinders QUERELLE (1982) war er als Lieutenant Seblon zu sehen.

Bereits am 31. August jährte sich auch der Todestag von Schauspielerin Rosel Zech zum 10. Mal. Unter ihren zahlreichen Film- und Theaterrollen wird sie uns unter anderem als Titelfigur aus Fassbinders DIE SEHNSUCHT DER VERONIKA VOSS (1982) in Erinnerung bleiben.

Damit verabschieden wir uns in die Winterpause und wünschen unseren Lesern und Freunden beste Gesundheit, ruhige Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch in ein für die Fassbinder Foundation sehr besonderes Jahr. Denn am 10. Juni 2022 ist RWFs 40. Todestag.

Mehr zu den Filmen von Rainer Werner Fassbinder:
http://www.fassbinderfoundation.de/filme-von-fassbinder/

Mehr zu den Theaterstücken von Rainer Werner Fassbinder:
http://www.fassbinderfoundation.de/theaterstucke/

Foto links: Adèle Exarchopoulos in ZERO FUCKS GIVEN © Condor Distribution
Foto rechts: Ausstellungskatalog „Methode Rainer Werner Fassbinder – Eine Retrospektive“ © Hatje Cantz Verlag

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