news

Newsletter Mai 2020

Seit Wochen herrscht auf der ganzen Welt Ausnahmezustand. Eine von zahlreichen Herausforderungen, die sich dabei stellen, ist die enorme Einschränkung des Kulturbetriebs: Kinos bleiben vorerst ebenso geschlossen wie Museen und Theater. Vor allem kleinere Institutionen bringt diese Zwangspause mitunter in Existenznot. Aber nicht das gesamte kulturelle Leben ist zum Erliegen gekommen. Durch vielfältige Streaming-Angebote hat sich vieles nur in die eigenen vier Wände verlagert. Wir wollen diese veränderten Bedingungen berücksichtigen und uns überwiegend auf Erfreuliches konzentrieren.

Besonders gespannt blicken wir einem anstehenden Jubiläum entgegen: Rainer Werner Fassbinder würde am 31. Mai 75 Jahre alt werden. Während einige Feierlichkeiten – wie eine vom Filmfestival San Sebastián vorbereitete Retrospektive – bereits verschoben wurden, laufen immer noch die Planungen für ein dreitägiges Geburtstagsevent im Deutschen Filminstitut & Filmmuseum (DFF) in Frankfurt am Main. Ob und in welcher Form die Veranstaltung letztlich stattfinden kann, darüber informiert die Website des DFF:
https://www.dff.film/ DE https://www.dff.film/en/ EN

Die Zeit zu Hause kann man sich unterdessen mit einer neuen Publikation aus dem Schirmer/Mosel Verlag versüßen. Das kleinformatige Buch „Filmstills 1966–1982“ lässt Fassbinders Werk noch einmal mit zahlreichen Momentaufnahmen Revue passieren. Die Einführung hat der RWF-erprobte Filmwissenschaftler Hans Helmut Prinzler geschrieben.

Außerdem enthält der Bildband einen Geburtstagsgruß von Regisseur John Waters. Der „Pope of Trash“ bezeichnete den Besuch einer Fassbinder-Retrospektive einmal als „better than drugs, liquor and sex put together“. Die Publikation erscheint am 1. Mai, nähere Informationen dazu gibt es hier: http://showroom.schirmer-mosel.com/product_info.php?manufacturers_id=198&products_id=953 DE http://showroom.schirmer-mosel.com/product_info.php?manufacturers_id=198&products_id=953&language=en EN

Einen Schnelldurchgang durch Fassbinders Werk in Bewegtbildern bekommt man derweil in der Arte-Mediathek. Eine kurze, assoziative Filmcollage von Martial Salomon kann man sich hier kostenlos ansehen:
https://www.arte.tv/de/videos/060738-167-A/blow-up-rainer-fassbinder-in-bildern/ DE / FR

Und noch weitere Jubiläen gibt es zu feiern: Die Schauspielerin Margit Carstensen, der wir erst kürzlich zum Götz-George-Preis gratuliert haben, feierte am 29. Februar ihren 80. Geburtstag. Einige ihrer beeindruckendsten Darbietungen bei Fassbinder kann man sich bei Amazon Prime (wieder) ansehen. Verfügbar sind dort etwa MARTHA (1974), https://amzn.to/2VM7v0B , der weniger bekannte ANGST VOR DER ANGST (1975) https://amzn.to/3eE47NF , sowie DIE BITTEREN TRÄNEN DER PETRA VON KANT (1972) https://amzn.to/2KihZzt .

PETRA VON KANT spielt auch eine entscheidende Rolle in Nicolas Wackerbarths bitterböser Mediensatire CASTING (2017). Fassbinders Stoff soll darin fürs Fernsehen adaptiert werden. Doch die Proben führen zu ebenso komischen wie grausamen Machtspielen, bei denen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischen. In der ARD-Mediathek kann man sich den Film noch bis zum 2. Juni kostenlos ansehen: https://www.daserste.de/unterhaltung/film/filme-im-ersten/videos/casting-video-100.html DE

Der Schauspielerin Barbara Sukowa haben wir bereits im letzten Newsletter alles Gute zu ihrem 70. Geburtstag gewünscht. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gratulierte auch Bert Rebhandl, der Sukowa wegen ihrer Hauptrolle in Fassbinders LOLA (1981) als eine jener Schauspielerinnen pries, „die eine Idee von Radikalität bewahrten, die aber auch dem großen Format standhielten“: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/der-filmschauspielerin-barbara-sukowa-zum-70-16610722.html Fassbinders Serie BERLIN ALEXANDERPLATZ (1980), in der Sukowa die Mieze spielt, kann man bei Amazon Prime streamen: https://amzn.to/2VFMRza DE

Leider hat uns auch eine traurige Nachricht ereilt: Schauspieler Volker Spengler ist am 8. Februar im Alter von 80 Jahren verstorben. In jüngerer Zeit spielte er vor allem an der Berliner Volksbühne unter Regisseuren wie Frank Castorf, René Pollesch und Christoph Schlingensief. Für Fassbinder stand er neunmal vor der Kamera. Besonders in Erinnerung bleiben wird seine Hauptrolle als Elvira Weishaupt in dem Film IN EINEM JAHR MIT 13 MONDEN (1978) – auch dieser ist als Stream momentan nur bei Amazon Prime verfügbar: https://amzn.to/2xB2hwC DE

In einem Nachruf für die Süddeutsche Zeitung erinnert sich Peter Laudenbach an einen Ausnahmeschauspieler, bei dem sich „Grazie mit Anarchie und Angriffslust“ paarte: https://www.sueddeutsche.de/kultur/nachruf-auf-volksbuehnen-kuenstler-schwer-erziehbar-1.4790435 DE

Zum Abschluss noch ein Ausblick auf einige TV-Höhepunkte zu Fassbinders Geburtstag: Auf Tele 5 werden KATZELMACHER (1969) und ANGST ESSEN SEELE AUF (1974) zu sehen sein. Arte präsentiert insgesamt sogar acht Filme und stellt sie auch kostenlos in der Mediathek zur Verfügung. Freuen kann man sich unter anderem auf den Zweiteiler WELT AM DRAHT (1973) sowie auf FONTANE EFFI BRIEST (1974), FAUSTRECHT DER FREIHEIT (1975) und MUTTER KÜSTERS’ FAHRT ZUM HIMMEL (1975).

Für die nächsten Wochen wünschen wir unseren Lesern und Freunden weiterhin gutes Durchhaltevermögen und beste Gesundheit. Wir melden uns bald wieder mit Neuigkeiten rund um Rainer Werner Fassbinder.

Mehr zu den Filmen von Rainer Werner Fassbinder:
http://www.fassbinderfoundation.de/filme-von-fassbinder/ DE
http://www.fassbinderfoundation.de/filme-von-fassbinder/?lang=en EN
http://www.fassbinderfoundation.de/filme-von-fassbinder/?lang=fr FR

Foto links: Volker Spengler in ,,In einem Jahr mit 13 Monden‘‘ © RWFF
Foto rechts: Buchcover von „Filmstills 1966–1982“ © Schirmer/Mosel Verlag

zurück